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GIOVANNI SEGANTINI

 Leben und Werk
Giovanni Segantini ist heute dem grossen Publikum vor allem als 'Idyllenmaler' bekannt. Die Verbreitung durch Reproduktionen, wie sie etwa das Bild 'Ave Maria' erfuhr, hat zu dieser oberflächlichen Segantini-Sicht wesentlich beigetragen. In der Popularität seiner Bildwelt sind aber auch Sehnsüchte zu vermuten, die über 'Helle Welt'-Wünsche hinausgehen - die in Bedürfnis nach Harmonie, Geborgenheit, nach einer identität von Mensch und Natur, ganz allgemein nach Transzendenz offenbaren. Bei diesem Segantini-Filmprojekt geht es weder um eine kunsthistorische noch dokumentarische Annäherung an den Künstler. Im Zentrum steht seine Bildwelt, die auch heute noch - oder heute gerade wieder - in einer Zeit der Bewusstwerdung über das bedrohte Verhältnis Mensch-Natur, eine grosse Faszination ausübt. Dieser Bedeutung von Segantinis Bild- und Gedankenwelt für unsere Gegenwart soll der Film zu einer Wirkung verhelfen, die über das blosse Erlebnis Schönheit und Harmonie hinaus den Widerspruch zwischen der heutigen gesellschaftlichen Realität und einer idealisierten, aber in sich grossartig stimmigen 'Paradies-Welt' sichtbar macht. Das zunehmende Bedürfnis nach einer Identifikation mit einem ausserzivilisatorischen 'Ort', der häufig eine Landschaft ist, in die man immer wieder zurückkehrt (das nicht mit dem Tourismus zu verwechseln ist), kann in einer Bildwelt, wie derjenigen Segantinis, in idealer Weise aufgehoben sein. Der Mythos der Bergwelt, die den Menschen aus dem Alltag enthebt und ihn mit der ''Ewigkeit' der Natur konfrontiert, transzendiert die problematische menschlige Existenz ins kosmische Einssein.

Nur ein Film, so scheint uns, kann das Erlebnis einer Landschaft mit der panoramahaften Sicht Segantinis verknüpfen. Ein Film kann die Topographie des 'Ortes' als Realität vermitteln, und kann mühelos in die künstlerische Welt der Bilder 'übersiedeln'.
Segantini war ein Mythen-Sucher. Er hat seine Sehnsucht in seinen Bildern gültig gestaltet. Die Faszination eines grossen Publikums kann 'benützt' werden: mehr als nur nostalgische Reize zu befriedigen, kann sie in einen vertieften Dialog weitergeführt werden, in eine Zwiesprache zwischen einem bildhaften, sinnlichen Film 'aus einer anderen Welt' und einem offenen wie kritischen, zeitgenössischen Betrachter.

GIOVANNI SEGANTINI

Kamera Edwin Horak/Bernhard Knecht - Kamera-Assistenz Katrin Simonett/Thomas Hardmeier - Technik Peter Gulka - Schnitt Helena Gerber - Ton Robert Jansa/Hans P. Küenzi - Kommentar Guido Magnaguagno - Sprecher Wolfgang Reichmann/Dinah Hinz/Ingold Wil-denauer - Equipment Cinérent/Guido Noth - Filmmaterial KODAK-Eastman Color - Labor Egli Film & Video - Tonstudio Schwarz Filmtechnik DOLBY-STEREO - Drehbuch/Regie/Produktion Gaudenz Meili in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Zürich und der Unterstützung durch die Kulturstiftung PRO HELVETIA, Migros-Genossenschafts-Bund, Erziehungs-Departement des Kantons Graubünden, Jubiläumsstiftung der Schweizerischen Bankgesellschaft und Felix Matthys
© 1990 Gaudenz Meili.
45 Min. / Film 35 mm / Dolby-Stereo / Deutsch